Mülltrennung auf Chinesisch…
Aug 14th, 2007 | By feydab | Category: AllgemeinEs hat deutliche Vorteile für eine chinesische Firma zu arbeiten, zumindest ist immer für Unterhaltung gesorgt. Nachdem mein Chef schon in der Vergangenheit für blankes Erstaunen und ausufernde Heiterkeit gesorgt hatte – Bsp. als er einen Richter mit der legendären Aussage “Ballaballaballa, verstehst du dieses Satz ist auch eine Satz” in die rethorische Abseitsfalle hat laufen lassen – wurde mir heute wieder ein tiefer Einblick in die fernöstliche Denkweise beschert.
Unsere Firma hat in dem vergangenen Jahr die Belegschaft beinahe verdoppelt, ebenso wie die Umsätze und Erträge jeden Monat ein neues Rekordniveau erreichen. Die daraus resultierenden Probleme zeigen sich in überquellenden Büro-Mülleimern, Türmen von Pappe und Kunstofffolien im Lager, sowie einer maßlos überforderten Restmülltonne, die im 14-Tagy Rhythmus geleert wird und die bequem als Biotop für Fliegen jeglicher Subspezies angesehen werden kann. So entschloß ich mich dann heute mal den Chef auf die Situation hinzuweisen mit folgendem Schreiben:
Hallo Herr ***
Die derzeitige Situation mit der Mülltonne ist untragbar. Seit Mitte letzter Woche ist die Restmülltonne voll, so dass seit dem keiner mehr seinen Mülleimer leeren konnte. Ebenso verhält es sich bei den Papiertonnen.
Mit einer gewachsenen Belegschaft kommen wir mit den Müllkapazitäten aus der Gründungsphase nicht mehr hin.
Ich habe die Tage schon mit Herrn ********** von der Stadtentsorgung ******* gesprochen, der mir sagte, dass weitere Papiertonnen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden können. Ich würde Sie bitten noch mindestens zwei Tonnen zu beantragen.
Bei dem Restmüll bieten sich folgende Möglichkeiten:
1. Wir nehmen eine zweite Tonne für 574€/Jahr
2. Wir nehmen uns aus der Systementsorgung raus und lassen den Müll nach Bedarf abholen. Dies würde dann pro Leerung 24,50€ kosten.Beides wäre in der Summe etwa gleich teuer, jedoch bietet die 2. Alternative deutlich flexiblere Möglichkeiten.
Ich bitte um eine schnelle Entscheidung, denn es geht nicht an, dass gerade in den Sommermonaten Essenreste in den Büroräumen über eine Woche liegen bleiben müssen. Sie selber haben dies in diversen Meetings und in den Arbeitsplatzbeschreibungen festgestellt.Mit freundlichen Grüßen
Feydab
In einer Firma, die sich pro Vertriebler mindestens einen Buchhalter und zwei Lagerkräfte leistet sollte das doch eigentlich kein Problem sein… Dachte ich…
Weit gefehlt, zu meinem Erstaunen musste ich mich belehren lassen, dass die Situation noch viel einfacher zu bereinigen sei (Textfromatierung der Antwort ist dem Original nachempfunden)
Hallo Feydab,
Ich finde, wir haben jetzt nur 16 Personen. Ein große Mülltonne schon genug.
In den Sommermonaten Essenreste bringen alle selber nach Hause.
Ich habe immer so gemacht.
Ich finde es ist nicht gut organisiert.
Unbeachtet der Tatsache, dass der letzte Satz eigentlich genau mein Standpunkt ist, frage ich mich wie die Kollegen und Kolleginnen das bewerkstelligen sollen, die mit dem ÖPNV (Bus und Bahn) zur Arbeit kommen. Nach Rücksprache mit den betreffenden Kollegen sind wir aber überein gekommen, bei passender Gelegenheit zu fragen ob der Chef wohl nicht auch Platz für den Restmüll der anderen 15 Mitarbeiter in seinem Firmenwagen hat, dann könnten wir auch noch die Kosten für die erste Mülltonne sparen, alle Folien werden wie in der guten alten zeit unter freiem Himmel verbrannt und die Pappkartons nutzen wir demnächst als Klopapier, allerdings nur beidseitig, damit der Erfolg auch auf der Hand liegt…

Nun sei mal nicht so. Wo der Chef Recht hat, hat er eben Recht.
Dass die Essensreste eindeutig privater Natur sind, liegt ja wohl auf der Hand. Warum also sollte die Firma, die Entsorgung der Reste privater Vergnüglichkeiten bezahlen? Frühstückt gefälligst zuhause, esst außerhalb zu Mittag und der Müll wird sich halbieren.
Papier und Folie lassen sich übrigens prima falten. Auch da haben uns die Asiaten etwas voraus. Statt Essenreste zu produzieren könntet ihr in der Pause ja was sinnvolles machen. Stichwort Origami! Mit etwas Übung lassen sich da bestimmt auch dickere Pappen verarbeiten.
Wie du siehst, hat der Chef eindeutig die besseren Argumente. Es gibt keinen Grund auch gleich mit Fäkalrethorik zu argumentieren – vonwegen Klopapier und doppelseitige Nutzung. :???:
Bestellt bei Tupperware eine schöne große Dose, sammelt Euren Kram, sodass Euch der Chef eine feine Sauer-Scharf-Suppe kochen kann. Geht schon… :mrgreen:
Bon Appetit :shock:
Eine ähnliche aber weit geschäftsträchtigere Idee besagt, dass wir aus dem Haufen überzähliger Einwegpaletten einen Holzzaun basteln, ein paar Zuchtferkel besorgen und diese mit den Essenresten füttern. Wahlweise haben wir dann einen netten Weihnachtsbraten oder wir verkaufen auch noch Schweinefleisch süss-sauer gegen Jahresende.
Holzzaun aus Einwegpaletten. Die Idee ist genial!!! Gleich mal Patent anmelden! :mrgreen: