Ein bisschen EU für alle…

Jul 14th, 2008 | By | Category: Dinge die mich ärgern, draussen vor der Tür
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Seit dem Wochenende ist das nördliche Afrika stolzer Teil der s.g Mittelmeerunion, und damit beinahe schon heim ins Reich geführt, wenn man M. Sarkozy und seinen Beratern glauben schenken darf, denn woran seinerzeit schon die Römer scheiterten und was weder den Engländern noch den Deutschen mit Waffengewalt gelang wird nun – Dank des französichen Präsidenten – mit geeinter europäischer Wirtschaftsmacht in greifbare Nähe gerückt: Weltfrieden! – Zumindest soweit man sich auf das antike Weltbild beschränkt.

Natürlich wird den Provinzen jenseits von Bosporus und Gibraltar keine Mitgliedschaft im elitären Club der führenden Wirtschaftsnationen in Aussicht gestellt, schließlich gilt es zunächst mal die Lebensraumerweiterung Ost abzuschließen, die ja jüngst erst einen empfindlichen Rückschlag erlitten hat, allerdings dürfen die südlichen Anrainer des Mittelmeeres immerhin schon die Kloake säubern helfen, den Flüchtlingsstrom aufhalten und ihre weiteren Resourcen für den Schirmherren im Norden erschließen.

Harmonie auch im Süden…

Wenn am 18. Juli der große schwarze Mann in Südafrika seinen 80 Geburtstag feiert, wird sich der Rest der Welt gegenseitig auf die Schulter klopfen und gratulieren zu dem grandiosen Weg, den Süd-Afrika seit Ende der Arpartheid gegangen ist. Immerhin boomt das Land seit geraumer Zeit und auch wenn die Zahlen in den letzten Jahren nicht ganz so rosig aussahen, wie zu Beginn, so bleibt doch zumindest noch die Hoffnung auf die WM 2010 und die daraus resultierenden Synergieeffekte – obgleich auch hier nie geklärt wird, wer genau denn eigentlich profitieren wird, denn keiner der unterm Tisch die Hand aufhhält will danach gerne geoutet werden.

Dass die Austragung der Spiele weniger von den Zuständen im Land abhängt, als vom Zustand der Stadien ist nur konsequent, betrachtet man die Auseindandersetzung um die olympischen Spiele in Peking. So vertraut man dann auch hier auf die Selbstreinigungskräfte im Bezug auf die Unruhen in den Townships, als dass man noch Öl ins Feuer gießt

In der Mitte aber schön blutig…

Denn egal ob in Ruanda, Zimbawe oder Dafur, zuviel Aktionismus ist einfach nicht gut für Afrika, speziell dann, wenn die betreffenden Länder nicht lukrativ genug sind um eine Intervention im Namen der Menschlichkeit zu rechtfertigen oder aber der zu erwartende Widerstand zu hoch ist. Ein Diktator ist eben nur dann tatsächlich Diktator, wenn er die Hand, die ihn füttert anfängt zu beißen.

Warum Afrika bis heute noch “der schwarze Kontinent” genannt wird, bleib mir schleierhaft. Eventuell weil sich hier seit Generationen eine Politik der verbrannten Erde betrieben wird, oder das Blut von Afrikanern ggf. ja doch eine Spur dunkler ist, als das wirklicher anderer Menschen.

Dass bis heute die für Dafur versprochene Truppen nicht gestellt und Verantwortungen von sich geschoben werden, dass der UN Generalsekretär sich besorgt zeigt wenn Kriegsverbrecher angeklagt werden sollen, anstatt sich gegen diejenigen auszusprechen, die gegen verhängte Waffenembargos verstoßen, ist zynisch. Andererseits ist es natürlich nur logisch, die jahrelang praktizierte Gleichgültigkeit im Bezug auf US amerikanisches Imperialdenken auch für den kommenden Führer der Welt gelten zu lassen, würde gezeigtes Rückrat doch nur für Verstimmung im Weltsicherheitsrat sorgen.

Es geht um die Teilung Afrikas…

Im Sinne der nationalen Interessen wird weiterhin ein ganzer Kontinent als Geisel der Wirtschaft gehalten und systematisch auf dem Rücken der dortigen Bevölkerung ausgebeutet. Wenn sich Europa schon heute um die eigene Zukunft sorgt, weil es sich von Flüchtlingen aus dem Süden und der zunehmenden Umweltverschmutzung bedroht sieht, ist es blanker Zynismus zu behaupten, es ginge in irgendeiner Form um humanitäre Maßnahmen und Entwicklung von “Partnerländern” sondern die Mittelmeeunion ist der versuchte Aufbau einer Pufferzone gegen chinesischen Wirtschaftsimperialismus.

Während Amerika noch hilflos gegenüber dem Iran mit dem Säbel rasselt, in der Hoffnung seinen schwindenden Einfluß auf die Region zu verteidigen, baut halb Asien unter der Federführung aus Peking die eigene Interessenvertretung mit gewohnter Menschenverachtung aus, nicht das Regime ist entscheidend, sondern der Ertrag der jeweiligen Resourcen und springt damit nahtlos in die Bresche, die der schwächelnde Weltpolizist zu hinterlassen droht. Nur daß man in Asien eben zu seiner Verachtung für den Wert des Individuum steht.

Die EU hat es versäumt sich nach dem Fall des eisernen Vorhangs als zentraler Vorreiter in Sachen Humanismus und sozialer Gerechtigkeit zu profilieren, zu wenig wurde auf nachhaltige Entwicklung und sozial verträglichem Umbruch in der Union und auch vor der Haustür geachtet, zu oft dem ungezügelten Kapitalismus das Wort geredet und nach der vermeintlich “historischen Chance gegriffen, eine friedliche Zukunft in Europa zu sichern”. Die Gier sich in den Geschichtsbüchern des Abendlandes zu verewigen, war stets größer als der Wille zur tatsächlichen Entwicklungshilfe. Die logische Konsequenz ist der zunehmende Verlust der Glaubwürdigkeit in der eigenen Bevölkerung, die Notwendigkeit sich hausgemachter Konkurrenz zu erwehren und sich zusätzlich den Herausforderungen eines sich rasant verändernden Weltklimas zu stellen.

Genau deswegen braucht es eine Mittelmeerunion, ein Brückenkopf für die Stellvertreter-Kriege des 21. Jahrhunderts.

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