Aus der Ferne betrachtet…

Jan 7th, 2009 | By | Category: der Gullideckel, draussen vor der Tür
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ist es oft leicht, die Lage zu beurteilen und schlaue  Ratschläge zu geben. Man sitzt gemütlich vor dem Medium seiner Wahl und wägt das Für und Wider aller Möglichkeiten ab, denn die Konsequenzen tragen zumeist eh “die Anderen”, speziell wenn es um politische Meinungen und Kommentare geht.

Seit Beginn der Operation “Gegossenes Blei” überschlägt sich dann auch die jeweilige Propaganda im Bemühen die Öffentlichkeit auf diese oder jene Seite zu ziehen um “der humanitären Katastrophe” Einhalt zu gebieten, die Zivilbevölkerung zu schützen oder einfach nur Stellung zu beziehen in einem Krieg, der keinen Sieger kennen wird.
Wenn der britische Aussenminister Milliband ein kollektives Versagen der Weltgemeinschaft bei der Verwirklichung einer zwei Staaten Lösung konsterniert und unser Linksaussen Franz Walter Steinmeier gebetsmühlenartig eine Waffenruhe und Verhandlungen fordert, ignorieren alle beide, dass die Waffen der Hamas zu keinem Zeitpunkt je geschwiegen haben oder deren Forderungen je verhandelbar gewesen wären. Stattdessen bemächtigten sie sich der Kontrolle des Gazastreifens – einem Slum ohne jegliche Perspektive, aber einer Bevölkerungsdichte wie Berlin und einer der höchsten Geburtenraten weltweit – um dort mit Terror und Martyrium Generation um Generation weiterer  Extremisten zu produzieren, unterstützt von Staaten wie Syrien oder dem Iran. Wie kann man angesichts dieser humanitären Katastrophe schulterzuckend daneben stehen und Verhandlungen fordern? Die Bevölkerung in Gaza hat sich sehenden Auges dem Exremismus verschrieben und den langen schwierigen Weg der Verhandlung mit Israel im Sommer 2006 gegen die Versprechen der Hamas und ihrer Untersützer getauscht und niemand kann sagen, er hätte von nichts gewusst.  Selbst die ehemaligen Waffenbrüder der Fatah haben gewarnt und schließlich kapituliert gegenüber dieser Form der Eskalation.

Die Auseinandersetzung im Gazastreifen ist keine Frage von Verhandlungen, staatlicher Souveränität oder irgendwelcher ziviler Opfer, Operation “Gegossenes Blei” ist die Fortsetzung des ältesten Stellvertreterkriegs der Welt. Er fußt allein auf der Annahme im Besitz göttlicher Weisheit zu sein und diese mit Gewalt anderen Menschen aufzwingen zu können, ohne zu berücksichtigen, dass der jeweilig Gott schon per Definition unfassbar ist und wir ihm mit unseren Erkenntnissen so fern sind wie die Sterne; es ist ein Krieg gegen religiöse Fanatiker, die jegliches Leben verachten.

Würden diese Typen öfter Dinge aus der Ferne betrachten, kämen sie Gott eventuell plötzlich viel näher, wie auf dem Bild unten. Es ist die am weitesten entfernte Aufnahme, die es von der Erde gibt, sie entstammt der Voyager I Mission aus einer Entfernung von 6,4 Billionen Kilometern und ist bekannt unter dem Namen “The Pale Blue Dot” Dazu gibt es auch das passende Zitat von dem Astronomen und Visionärs Carl Sagan

nasa_pbd.jpg That’s here. That’s home. That’s us. On it everyone you love, everyone you know, everyone you ever heard of, every human being who ever was, lived out their lives. The aggregate of our joy and suffering, thousands of confident religions, ideologies, and economic doctrines, every hunter and forager, every hero and coward, every creator and destroyer of civilization, every king and peasant, every young couple in love, every mother and father, hopeful child, inventor and explorer, every teacher of morals, every corrupt politician, every “superstar”, every “supreme leader”, every saint and sinner in the history of our species lived there – on a mote of dust suspended in a sunbeam.

Das ist hier. Unsere Heimat. Das sind wir. Dort lebt jeder den wir lieben, den wir kennen, jeder von dem wir je gehört haben, jedem Menschen der existiert und je existiert hat. Die Ursache jeder Freude und jeden Leids, tausender Religionen, Ideologien und ökonomischer Doktrinen, alle Jäger, Urahnen, Helden und Feiglinge, aller Gründer und Zerstörer von Zivilisationen, jeder König und Diener. Alle liebenden Paare, jede Mutter, jeder Vater, jedes Kind, Erfinder und Entdecker, jeder Philosoph, jeder korrupte Politiker, Superstar, Heiland, jeder Heilige und jeder Sünder in der Geschichte der Menschheit lebt dort – einem Staubkorn, eingefangen von einem Lichtstrahl.

Wie glücklich war es, diesen einmaligen Blick zu konservieren, wie unglaublich einfach ist die logische Konsequenz oder wie vermessen der Gedanke man könne das Unfassbare in menschliche Maßstäbe pressen und sein Eigen nennen? Vor allem: Wie soll man mit solchen Wahnsinnigen verhandeln?


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