ad majorem dei gloriam…
Mrz 18th, 2009 | By feydab | Category: Allgemein, Dinge die mich ärgern, draussen vor der Türin letzter Zeit kratzt sich der denkende Teil der Welt nur noch am Kopf, wenn der Papst den Mund aufmacht, denn er scheint beinahe ebenso zielsicher jedes sich bietende Fettnäpfchen anzusteuern, wie einst Altkanzler Kohl zu seinen besten Zeiten…
Natürlich muss der alte Ratze in seiner Funktion als göttliches Sprachrohr möglichst viele Allgemeinplätzchen rauszuhauen, damit auch nachfolgende Generationen AIDS-Kranker Afrikaner an seiner Weisheit genesen können und Trost finden in seinen Worten. Allerdings seine neuerlichen Verfehlungen anlässlich seiner Afrika-Tournee dann für mich doch irgendwie Anlass geben, mal wieder sanfte Kritik an dem deutschesten aller Päpste seit 500 Jahren zu üben.
Persönlich sehe ich keinen Unterschied zwischen “Kondome verschlimmern das AIDS-Problem” und “Arbeit macht frei” als Devise der KZ im dritten Reich. Weder die Botschaft noch das Maß an Zynismus stehen einander in irgendwas nach. So können dann auch die nachgeschobenen Relativierungen – dass es im Kern um die Hervorhebung von Abstinenz und Treue in der ABC-Strategie ginge – allenfalls die Erkenntnis bewirken, dass göttliche Erleuchtung wohl doch nur bei totaler Finsternis des Geistes zu erlangen ist.
Der genaue Wortlaut war “Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem”unterstreicht in althergebrachter Tradition katholischer Ignoranz, dass Sex grundsätzlich ein Problem ist und reglementiert gehört. Es wird suggeriert, dass afrikanische Frauen, Männer und sogar Kinder garnicht Opfer von Armut, täglicher (ver)Gewalt(igungen) und katastrophaler hygienischer Zustände sind, sondern sexsüchtige Maniacs die allein durch Keuschheit und christliche Sakramente von ihrer Geißel erlöst werden könnten. So ist dann auch “Ein Christ kann niemals schweigen angesichts von Leiden und Gewalt, Armut, Hunger, Korruption und Machtmissbrauch” weniger als Appell gegen die Zustände in Afrika zu werten, denn Erklärung für die höchst päpstliche Verbaldiarrhoe. und
Anders gesprochen bin ich froh kein Christ zu sein, wenn dergleichen in deren Namen gesagt wird.
NACHTRAG
Gestern Abend hat die “Zenit”, eine kirchennahes Presseorgan, den Papst etwas anders zitiert als die gängigen Medien.
…Wenn da keine Seele ist, wenn den Afrikanern nicht geholfen wird, kann das Übel nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, es besteht die Gefahr, das Problem zu vergrößern… Quelle: Zenit
Nun ist es leider so, dass mir der originale Text wiederum nicht zur Verfügung gestellt und einfach nur eine eigene Übersetzung ins Netzt gesetzt wird. Ich kann nicht mit Gewissheit sagen, welchen Wortlaut Ratze gewählt hat, aber der Vollständigkeit halber will ich hier erwähnen, dass die kirchliche Version deutlich in ihrem Zynismus entschärft ist.
