Eine neue Kultur des Hinsehens

Jun 4th, 2009 | By | Category: Dinge die mich ärgern, draussen vor der Tür, Feydab erklärt das Grundgesetz
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forderte die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache 2008, jetzt – achtzehn Monate später – erfolgte fristgerecht die Interpretation der Bundesagentur für Arbeit zu dem Thema.

Einem Bericht der Bild und der Welt zufolge sollen Hartz 4 Empfänger zukünftig bei Verdacht auf Leistungsmissbrauch observiert werden, so eine interne Weisung der BA. Dazu sollen die Argen entweder einen eigenen Außendienst einrichten oder private Firmen mit der Observation beauftragen. Auch werden verstärkte Hausbesuche und Wohnungskontrollen bei Arbeitslosen angeordnet bei denen “Auffälligkeiten nach Räumen getrennt aufgezeichnet”  und “mit Zustimmung des Leistungsempfängers auch Schränke kontrolliert werden sollen” Löbliche Verhaltensweise der neuen Blockwarte ist die hochnotpeinliche Befragung von Nachbarn und Freunden des arbeitsscheuen Gesindels, um eben auch den näheren Umkreis des Subjektes zu durchleuchten und den Entzug möglichst aller staatlicher Subventionen zu erwirken.

Ob in Stufe zwei des Verfahrens dann auch die öffentliche Auspeitschung oder Verbrennung der Sünder angeordnet wird ist indes unklar.

Es erschließt sich mir einfach nicht, wie man seitens der “etablierten Parteien” immer noch Bsp. die Linke mit der SED und in Verbindung bringt und das Unrecht der DDR anlastet aber gleichzeitig derart asoziale und repressive Praktikenin den eigenen Behörden duldet oder unterstützt. Beinahe zwängt sich der Verdacht auf, dass man jetzt, da die Legalisierung der Argen eh auf Eis liegt, zumindest die Geringschätzung menschlicher Würde forciert werden sollte.

Das “Hartz Konzept” wie es seinerzeit definiert wurde ist schon lange von der Geschichte eingeholt. Einerseits wird zwar immer noch ganz unverholen einer Randgruppe der Gesellschaft, den s.g. Sozialschmarotzern, das Siechtum unseres Sozialstaats angelastet und ähnlich der legendären Dolchstoßlegende von der Boulevardpresse kolportiert, andererseits wird aber Steuergeld durch den Kamin gejagt aus dem Fenster geworfen, als gäb es kein morgen. Die Systemrelevanz unserer Banken und großen Aktiengesellschaften ist ja wohl unbestritten, egal wie marode sie sind, ganz im Gegensatz zu den wertlosen Subjekten wie Rentnern, Geringverdienern und Arbeitslosen an der Titte unserer Wohlfahrt.

Hatte man unlängst noch das Kurzarbeitergeld verlängert um tausende von Arbeitnehmern vor dem sozialen Abstieg Absturz zu bewahren und die asoziale Fratze unseres “neuen Arbeitsmarktes” zu kaschieren oder die Folgen der Spekulationsverluste und Fehler einer abgehobenen Managerkaste honorieren, so drischt man nun wieder fröhlich auf diejenigen ein, denen man “schweren Leistungsmißbrauch” andichtet. Die weitgehend stagnierende Zahl der Langzeitarbeitslosen ist ja schließlich nicht auf mangelnde Angebote sondern allenfalls weiterhin auf Bequemlichkeit und mangelnden Einsatzwillen zurück zu führen. Dass vor den Heimsuchungen Hausbesuchen der Arge-Mitarbeitern natürlich kartonweise Gold- und Silberschätze, nebst Aktienpaketen und haufenweise wertvoller Kleinode im Schrank verschwinden ist natürlich spätestens seit den Durchsuchungen bei Herrn Zumwinkel und Speißgesellen anderen diebischen Elstern bekannt.

Wir jammern auf hohem Niveau hieß es noch anlässlich des Armutsberichtes der Bundesregierung vor genau einem Jahr und trotzdem sich seitdem die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich verschlimmert hat, dröhnen immer weiter die Durchhalteparolen über den Volksempfänger, die Erbschuld des internationalen JudenSchmarotzertums wird beschworen und der Endsieg das Ende der Rezession herbeigeredet.

Aber falls ich noch mal dran erinnern darf Leute: Es ist Wahljahr und bei aller Unterdrückung kann man auch den sozial Schwachen das Stimmrecht nicht aberkennen… aber halt! Da war ja was…

Nachtrag

Ich habe heute in der Märkischen Allgemeinen einen Artikel gelesen, der die fiesen Machenschaften der organisierten Sozialschmarotzer näher beleuchtet und das wahre Ausmaß des schweren Leistungsmißbrauchs schonungslos offenlegt:

Das Paar erhielt die vollen Hartz IV-Leistungen von der städtischen „Arge“. Doch beide arbeiteten zeitweise in den Jahren 2004 und 2005…

…Regelmäßig einmal pro Quartal würden die Daten der Arge mit Daten anderer Behörden und Institutionen abgeglichen… 1500 bis 3000 Überschneidungen würden jedes Mal festgestellt, von denen etwa jede zehnte klärungsbedürftig sei. Oft hätten Bürger sich nicht rechtzeitig abgemeldet, wenn sie wieder einen Job haben. Dafür würden sie mit Ordnungs- oder Bußgeldern belegt.

Im vergangenen Jahr seien 42 Fälle strafrechtlich relevant gewesen – so wie der Betrug von Nancy K., durch den der Behörde ein Schaden von 14 000 Euro entstanden sei…

Gehe ich davon aus, dass Anwalts- und Verfahrenskosten eh zu Lasten des Paares gehen und nicht in der Summe enthalten sind, kann man also festhalten das Paar hat sich über 2 Jahre jeden Monat um 583€ bereichert, obschon sie zeitgleich schon fürstlich von einem Discounter entlohnt wurden.  Vollkommen unverständlich ist wohl auch, dass die gute Frau keine Anstalten macht, diese geringe Summe einfach an den Staat zurück zu zahlen, wo sie im Schrank doch haufenweise Gold liegen hat. Und das ist nur ein Beispiel von den vielen schrillionen 47 Fällen im Land Brandenburg. Damit liegt die erschreckend hohe Rate von Betrugsfällen bei 0,02% legt man die Arbeitslosenzahlen von 2009 zu Grunde. Nur  mal zum Vergleich, die Frau Koch-Mehrin hat den gleichen Betrag allein schon als “Nebeneinkunft” auf ihrer Homepage angegeben für 2008, obschon sie nach eigenen Angaben auch nur 75% ihrer Pflichttermine wahrnimmt. Die wird auch vom Steuerzahler subventioniert, aber der darf man nicht auf die Finger sehen

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One comment
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  1. Es ward das Jahr 2006, als sich den Landesfürsten ein Papyrus darbot, welches sich mit der zukünftigen Knechtigung der Knappen und Mägde befasste.

    Nun, da sich die Machthaber und ihr Gefolge im Wahljahr befinden entbrennt wieder eine neue Aktualität dieses E-Papyrus, dessen Inhalt dem gemeinen Pöbel bislang entsagt blieb.

    Nachzulesen unter
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22553/1.html
    x/

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