Das erste Opfer des Krieges…
Dez 11th, 2009 | By feydab | Category: Dinge die mich ärgern, Feydab erklärt das Grundgesetz, Politik, draussen vor der Türist die Wahrheit, insofern noch bevor der erste Schuß fällt, jeder Konflikt zu einem Märchen wird, an dessen Ende immer die Guttenbergs gewinnen.
In diesem Sinne ist unser Kriegsminister dann auch heute aufgebrochen um den Kameraden im Kunduz die frohe Botschaft zu verkünden, ihr oberster Dienstherr und wörtlich “ich glaube, dass auch der Großteil der Bevölkerung hier im Land, hinter den Soldaten und dem Einsatz in Afghanistan steht”, wie er der Tagesschau in einem Interview mitteilte.
Nun bin ich in Glaubensfragen nicht allzu bewandert, aber zumindest die Fakten sprechen immer noch eine andere Sprache, wie eine Umfrage von Infratest Dimap aus dem September belegt, und darin sind noch nicht mal die neuesten Erkenntnisse berücksichtigt, die den Herrn zu Guttenberg zu seiner Neubewertung der Lage inspiriert haben und das Bombardement im Kunduz für militärisch unangemessen bezeichnen. Davon lässt sich der der Heilsbringer aber nicht anfechten, denn seine Wortakrobatik ist weit ausgefeilter als die seines Vorgängers Jung
und somit bleibt alles nur eine Frage der Formulierung, ähnlich wie im Fall der “klaren bürgerlichen Mehrheit“, aufgrund derer sich der Freiherr ja nur in sein neues Amt flüchten durfte. Sicher ist, eine Regierung, die schon eine hauchdünne Mehrheit als klares Votum bürgerlicher Gesinnung deutet, hat eben auch keine Probleme bestenfalls 37% der Wahlberechtigten als “Großteil der Bevölkerung” zu verkaufen und den Bürgern in Uniform das harte Feldlager damit verbal zu polstern.
Ebenso virtuos singt der junge Ritter dann natürlich auch das Hohelied der Soldatenehre, wenn er gefragt wird, ob er denn von den Soldaten erwarte, dass sie auch weiterhin in Afghanistan kämpfen:
Ich erwarte von unseren Soldaten, dass sie zunächst einmal ihren Dienst tun, aber wir wissen eben alle auch, dass das da unten ein Kampfeinsatz ist. Nicht nur, aber eben auch ein Kampfeinsatz – und da dürfen wir auch nicht lange um den heißen Brei rumreden, und ich denke, das ist auch das, was die Soldaten vor Ort von uns erwarten, dass wir deutlich ansprechen, was vor Ort herrscht. Ich hab von kriegsähnlichen Zuständen gesprochen und ich hab den Eindruck, dass das auch eine wichtige Klarstellung war.
FreiHerr Obama dich! Des Soldaten Zweck ist primär zu dienen und erst in zweiter Linie zu kämpfen, deswegen haben die Kameraden im Feldlager auch verdient, dass wir wissen, im Krieg sterben Menschen… wahrlich, der Herr zu Guttenberg ist ein Mann der klaren Worte. “Trotz allem Leid”, dass so ein kriegsähnlicher Zustand eben mit sich bringt, “geht es in allererster Linie darum, der Zivilbevölkerung vor Ort lange Gerichtsverfahren zu ersparen und im Rahmen ihrer Kultur zu helfen, ohne die Opfer zu brüskieren” Böse Zungen mögen jetzt behaupten, Oberst Klein hätte mit dem zerbombten Laster ja ebendies getan, nämlich langwierige Gerichtsverfahren umgangen und sie gemäß der Kultur vor einen höheren Richter befohlen, allerdings passt diese Ansicht nicht in ein öffentlich rechtliches Format zur morgendlichen Sendezeit und berücksichtigt schon garnicht, dass der Interviewte gerne den reuhmütigen Wiederaufbauhelfer darstellen würde, der versehentlich das falsche Schwein geschlachtet hat, um es mit Churchill zu sagen.
Die Problematik der Guttenbergs und Obamas dieser Welt, besteht in ihrer grundsätzlichen Akzeptanz von Gewalt als Mittel und dem Anspruch auf Erkenntnis. Dabei spreche ich niemandem und keiner Nation ab, sich selbst verteidigen zu dürfen, allerdings entspringt daraus kein Sendungsauftrag für Gerechtigkeit, auf den sich letztlich all diese Menschen berufen – und regelmäßig damit scheitern, weil die Botschaft als Rache verstanden wird.
Wenn Herr Obama behauptet, man müsse Gewalt als gegeben akzeptieren und der Al Quaida sei nicht durch Verhandlungen beizukommen gewesen, er gar den “War on Terror” mit der Befreiung der Welt von den Nazis vergleicht, ist das nur soweit richtig, als dass schließlich das Terrornetz ureigenes Produkt der CIA ist, sowie das Ausufern der Gewalt im nahen Osten allein auf die Intervention der “Allianz der Willigen” zurückzuführen ist, wie das 3. Reich sich auf die “Schande von Versailles” berief und in Hiroshima und Nagasaki (fremde) Zivilisten gegen (eigene) Soldatenleben gerechnet wurden.
Auch wenn der jetztige US-Präsident genau wie der adelige Feldherr zu Guttenberg letztlich auch nur das Kind aus dem Brunnen retten wollen, sie sind auch nichts anderes als die anderen millionen “gerechter Krieger”, deren Einsatz in der Geschichte nicht das geringste bewirkt hat, weil Gewalt eben immer nur Gewalt provoziert. Genau diesen Grundsatz hatte die Bundesrepublik noch bis in die 80er Jahre verinnerlicht und die Abkehr von dem Gedanken, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen dürfe, bring den Kriegsminister heute wieder in Erklärungsnot und Rechtfertigungszwang, es wird nicht mehr lange dauern, bis sich jemand findet, der in Namen der Gerechtigkeit den totalen Krieg proklamiert, jenes kriegerische Armageddon, an dessen Ende der ewige Friede steht…