wag the dog – die Wiederentdeckung des Heldentod
Apr 9th, 2010 | By feydab | Category: Dinge die mich ärgern, draussen vor der Tür, PolitikWas tun, wenn die politische Situation prekär ist? Man inszeniert eine Ablenkung und appelliert an den Nationalstolz, sowas klappt immer. Was der Hollywood-Streifen mit Robert de Niro und Dustin Hoffman noch als bitterböse Satire darstellt, findest derzeit als Naturschauspiel in freier Wildbahn statt, unsere Politelite stimmt das Hohelied vom Soldaten an, vom Heldentod und ehrenvoller Aufopferung im Dienste der Freiheit.
Frau Merkel persönlich unterbricht auf Geheiß der BILD ihren wohlverdienten Urlaub, um den gefallenen Kameraden aus Afghanistan die letzte Ehre zu erweisen und in einer konzertierten Aktion versuchen die Medien das arg zerrüttelte Bild der Bundeswehr angesichts der Gefallenen zurecht zu schreiben um die Bevölkerung zu mehr Solidarität aufzurufen. Es soll im Bürger die Erkenntnis reifen, dass “unsere Jungs”, wie sie inzwischen gemeinhin genannt werden, letztlich nur die bewaffnete Interessenvertretung unserer Grundwerte und damit unantastbar sind. Ihr gewaltsames Ableben ist Anlass zu Staatstrauer und jegliche Zweifel an ihrer Intention gleichwertig mit Hochverrat.
Das ist eine gefährliche Geisteshaltung, denn wenn man die Bilanz des Afghanistan Mandates zieht, muss man erkennen, dass mit Unterstützung der Bundeswehr ein korruptes Regime im Sattel gehalten wird, das wahllos all jene hofiert, die Machterhalt versprechen – unabhängig ihrer Gesinnung, z.B. Mahmut Ahmadinetschad, ausgewiesener Antisemit, Hassprediger, mutmaßlicher Terrorunterstützer und Nuklearwaffen-Lobbyist. Das ist weit jenseits des offiziellen Auftrags der Bundeswehr, die äußere Sicherheit der Bundesrepublik zu gewährleisten.
In gleicher Weise werden in der Truppe zunehmend die Grundwerte unserer Gesellschaft über Bord geworfen, sei es durch Totenschändung, entwürdigende Aufnahmerituale und Ausbildungspraktiken an Soldaten oder die Bombardierung von Tanklastern und anschließender Vertuschungsversuche von zivilen Opfern durch die oberste Heeresleitung, bis mindstens hin zum Verteidigungsminister.
Natürlich sollten wir unsere gefallenen Soldaten betrauern und selbstverständlich braucht es grundsätzlich Solidarität zur Truppe, aber noch viel mehr braucht es kritische Distanz zu ihrem Auftrag, zu ihrem Zustand, zu ihren Einsätzen und erst recht zu den verantwortlichen Politikern. Umso weniger Bedarf gibt es für platte Glorifizierungen in deren Windschatten gerne vergessen wird, welche Opfer es gebraucht hat, damit wir überhaupt von diesem hohen Ross runterblicken können.
