everybody knows…
Jun 11th, 2010 | By feydab | Category: Politik, draussen vor der TürAbseits aller Streitigkeiten in Berlin um Schuldenabbau, Steuererhöungen und Subventionen, respektive deren Abbau kommt die gute Nachricht der Woche von der Boston Consulting Group: Die Finanzkrise ist erfolgreich abgewehrt! Zumindest für diejenigen die eh schon reich waren…
Es gibt wieder mehr Millionäre. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Millionärshaushalte auf der ganzen Welt auf 11,2 Millionen, das sind 14 Prozent mehr als noch 2008. In Deutschland wuchs die Zahl der Millionärshaushalte mit 23 Prozent sogar noch stärker[...]Weltweit wuchs das Privatvermögen im vergangenen Jahr deutlich: Das Vermögen, das Privatanleger in Bargeld, Aktien, Wertpapieren oder Fonds angelegt haben, legte um 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu und stieg auf 111,5 Billionen Dollar. Damit erreicht es wieder das Vorkrisenniveau.
Zitiert die Welt gestern den Vermögensreport und bestätigt damit, was wir eh alle schon ahnten: Alle Spekulationsverluste aus der Immobilienblase konnten erfolgreich sozialisiert werden, dem Steuerzahler sei dank!
Noch erfreulicher für die Betroffenen ist demgemäß natürlich auch die Botschaft aus Berlin, dass sie auch auf absehbare Zeit keinerlei Einbußen befürchten müssen. Einsparungen und Leistungskürzungen treffen ganz selbstverständlich und ausschließlich die Mittel- und Unterschicht weil es Ihnen an Möglichkeiten fehlt Einbußen durch Abschreibungen oder Umschichtungen zu kompensieren oder Kürzungen das direkte Familieneinkommen beeinträchtigen, während Vermögenszuwächse aus Anlagen meist garnicht vorhanden sind. Zusätzlich dazu steigt die Inflation und schröpft das Einkommen auf diese Weise doppelt.
Zusätzlich errechneten Fachleute unlängst, dass die Versorgungslücke der zukünftigen Rentner deutlich größer ist, als noch zu Zeiten der Riesterrenten-Einführung angenommen. Auch hier sind wiederum diejenigen besonders benachteiligt, die ohne Wohneigentum ihren Lebensabend verbringen. Bei Ihnen ist der zu deckende Finanzbedarf um durchschnittlich 5-8% höher als bei Haus- oder Wohnungsbesitzern.
Selbst in der CDU/CSU keimt inzwischen der Gedanke, dass die Sparmaßnahmen den sozialen Frieden gefährden könnten, wenn nicht auch die s.g. “starken Schultern” an der Sanierung des Staatshaushaltes beiteiligt würden. Trotzdem ist angesichts der anstehenden Wahl des Bundespräsidenten und dem bockigen Koalitionspartner kaum damit zu rechnen, dass der Demontage unseres Sozialstaates demnächst Einhalt geboten wird.
So wird denn alles noch viel schlimmer kommen, denn die vielen Luftbuchungen im Sparprogramm der Bundesregierung werden wie Seifenblasen spätestens im Bundesrat platzen und selbst wenn nicht, wird den Ländern und Kommunen noch mehr aufgebürdet oder abgesprochen, als sin in ihrer jetzigen fatalen Finanzlage eh schon haben. Auch das wird sich unmittelbar auf all diejenigen Bürger auswirken, die Bsp. statt des eigenen Pools im Garten das örtliche Freibad nutzen müssen oder statt Privatlehrer auf die öffentlichen Schulen angewiesen sind.
Die Bundesrepublik wie wir sie kennen steht vor dem Ende. Eher kurz- als mittelfristig müssen Entscheidungen getroffen werden, wie wir uns einerseits zur weiteren Integration in ein vereintes Europa stellen und andererseits unser komplettes Gemeinwesen neuordnen um den Gedanken der sozialen Marktwirtschaft gegen eine globalisierte Wirtschaft zu schützen. Die nächsten 10 Jahre werden spannend, hoffentlich bleiben sie friedlich…